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Glaubensfragen

Gott ist … für manche ein Gescheiterter!

Mann hält Hände vor sein Gesicht
Gescheitert | (c) 123rf
13.06.2020
Ein Gekreuzigter soll unser Heiland sein?
 
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Da sträubt sich jedes fromme Herz gegen solch eine harsche Aussage! Doch, wir sind damit in guter Gesellschaft. Sogar die Jünger Jesu sträubten sich dagegen. Wenn Gott in Jesus Mensch geworden ist – warum dann dieses schmähliche Ende am Kreuz?

Ist Gott also tatsächlich ein Gescheiterter? Die Jünger setzten grosse Hoffnungen auf Jesus. Inbrünstig hofften sie, Jesus werde sie nicht enttäuschen. Doch, alles lief schief. Bei der Gefangennahme zieht Petrus das Schwert und schlägt drein: Zu einem gefesselten Jesus will er nicht gehören. Gott ist doch siegreich und kein Verlierer! Und Judas sagte sich bereits im Vorfeld: Wenn man Jesus so einfach gefangen nehmen kann, kann er nicht Gott sein. Und Pilatus fragt beim Verhör zweimal nach, ob Jesus nicht doch ein König sei. Dann schüttelt er enttäuscht den Kopf, weil er nichts von königlichem Selbstbewusstsein wahrnimmt.

Für die ersten Christengemeinden war dies ein grosses Problem: Ein Gekreuzigter soll unser Heiland sein? Gott wurde Mensch und endete dort, wo nur Gescheiterte enden? Wie können wir mit dieser Botschaft unter unsern heidnischen Mitmenschen missionieren? Wie können wir als Gemeinde eine Attraktivität ausstrahlen, wenn man unsern Gott als Gescheiterten betrachtet?

Der Apostel Paulus sah diese Problematik glasklar. Den Korinthern schrieb er: «Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit für die, die verloren gehen … » (1. Korinther 1,18) Klar wird die gesamte griechisch-römische Welt darüber den Kopf schütteln. Natürlich wird die antike Intelligenzia darüber in schallendes Gelächter ausbrechen. «… uns aber», so fährt Paulus in grosser Gewissheit fort, «… die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.» Damit bringt er zusammen, was aus menschlicher Sicht ein grotesker Widerspruch ist, bei Gott aber stets zusammengehörte. Der Leidende ist zugleich der Überwinder. Der Gescheiterte ist zugleich der Siegreiche. Dies ist unser Gott: «Wer Ohren hat zu hören, der höre!»

Mir scheint: Unsere Generation hat wiederum grosse Mühe, sich zu dem Gott zu bekennen, den die Bibel uns offenbart. Die Christenheit der westlichen Wohlstandswelt schämt sich mehr und mehr, sich an die Seite dieses «Gescheiterten» zu stellen. Könnte die Kirche nicht besser mithalten im Wettbewerb, wenn ihr Gottesbild den Erwartungen heutiger Menschen entspräche? In der Werbung, in der Politik, in der Wirtschaft – überall arbeitet man mit dem Aussenden von positiven Botschaften, um die Leute mit einem Gefühl des Fortschritts und des Wohlwollens einzulullen. Sollten wir darum nicht besser die alte Botschaft des Evangeliums einem attraktiven Facelifting unterziehen?

Nun – über die Botschaft, mit der Gott uns in der Bibel beschenkt hat, sollen wir uns keine Sorgen machen. Denn sie ist, wie Paulus sagt, «die Kraft Gottes». Da ist und bleibt uns die weltweite Kirche (jene ausserhalb von Westeuropa) ein bleibendes Vorbild: Frisch und froh bekennt man sich dort zu jenem grossen Gott, der in Jesus Christus die tiefsten Stufen des Elends und des Scheiterns durchschritten hat. Gerade in diesem für menschliche Augen tiefen Widerspruch liegt die Zuwendung und Liebe Gottes für uns verborgen. Ja, es ist so: Gott ist Sieger und doch bleibt er für immer auch das Lamm, das sich wehrlos dem Unheil dieser Welt ausliefert. Es überrascht darum nicht, dass am Ende der Heilsgeschichte Gott so gepriesen wird: «Würdig ist das Lamm … zu empfangen Ehre und Ruhm und Lobpreis!» (Offenbarung 5,12)

 

Zur Person: Willi Honegger
Willi Honegger (57) ist seit 27 Jahren Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Bauma im Zürcher Oberland. Er ist verheiratet, Vater von vier Kindern, und wird bald zum 3. Mal Grossvater.
( © Online-Redaktion ERF Medien)
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