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Lebensgeschichten

«Ich gebe hundert Prozent, immer!»

12.04.2013
 
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Von Verena Birchler

Am 7. November 2012 wurde Samuel Koch der «Goldene Kompass» verliehen. Diesen Preis erhielt er für sein autobiografisches Buch «Zwei Leben». Der junge Mann ist bei «Wetten, dass..?» schwer verunfallt und seither gelähmt. Ausgerechnet diesem lebensfrohen, bewegungshungrigen jungen Mann werden von einer Sekunde auf die andere Grenzen gesetzt, die manch einen in die Verzweiflung getrieben hätten.

Es war der 4. Dezember 2010. Ein Schicksalsmoment. Jung, frisch und dynamisch präsentierte er sich dem Publikum. Mit seiner Art wirkte er ansteckend. Er lachte schon immer gern und viel. Er fiel auf, weil er begeistert und positiv sein Leben anging. Bis eben zu jenem schicksalshaften Moment bei «Wetten, dass..?». Gemeinsam mit seinem Vater wollte er eine Wette gewinnen.

Samuel Koch wettete, «dass ich mit meinen ‹Powerisern› in vier Minuten über fünf fahrende Autos springen kann. Dann geht’s los. Ich gebe das Handzeichen. Das Vorderrad des ersten Wagens überquert die Markierung am Boden. Ich laufe los. Mit dem linken Fuss zuerst. Ein Stossgebet, durch meinen Kopf rauschen Fetzen von Psalm 23 im Schnelldurchlauf: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.»

Samuel Koch springt problemlos über das erste Auto. Das Publikum jubelt. Auch die weiteren Autos sind einfach. Doch plötzlich merkt Samuel Koch, dass die Distanz seiner Schritte nicht stimmt. Aber er hatte noch drei weitere Versuche. «Die Stimmung in der Halle ‹kocht›, Gottschalk und Hunziker im Gefühlsrausch zwischen Angst und Begeisterung. Wieder der Psalm in meinem Kopf und meinem Herzen. Ich gebe meinem Vater, der das letzte Auto fährt, das Zeichen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, linker Fuss …denn Du bist bei mir … rechter Fuss, linker Fuss, Einsprung, Absprung – hoch in den Salto. Ein Knall. Nacht.»

Bis zu jenem Moment vom Leben verwöhnt Egal, was er anpackte, ihm gelang einfach alles. Vor allem im Sport. Nebst dem Sport war ihm aber auch seine Beziehung zu Gott wichtig. Und eigentlich wollte er genau diesen Auftritt nutzen, um eben von diesem Gott zu erzählen. Nach dem Unfall wurde er ins Paraplegikerzentrum Nottwil überführt. Als er wirklich realisierte, dass er sich nie mehr wird bewegen können, geriet er in Panik. «Verzweiflung stieg in mir auf. Mein Körper ist nur noch eine tote Hülle. Nutzlos, dass man ihn mit sich herumschleppt. Erst in Nottwil wurde mir zum ersten Mal wirklich die Brutalität der 60 Millisekunden bewusst, die mich hierher gebracht hatten.»

Samuel Koch stand plötzlich vor einer unerwarteten Grenzerfahrung, und damit auch vor neuen Herausforderungen. Täglich war er hin- und hergerissen, ob er Gott anklagen oder ob er ihm vertrauen sollte. Bald aber überwog «Dein Wille geschehe». In diesem Prozess orientiert sich der junge Mann am biblischen König David. Er wurde immer mehr sein Vorbild. Er erlebte mit diesem Mann aus dem Alten Testament, was es bedeutet, zwischen Anklage, Hoffnung und Dankbarkeit zu schwanken.

Eine Geschichte von David wurde für Samuel Koch besonders wichtig: «Es geht darin um ein Schaf aus Davids Herde, auf das sich ein Löwe stürzt. David hat hunderte von diesen Schafen, eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund, dass er sein Leben für das Leben eines einzigen Schafes riskiert. Er tut es trotzdem: David kämpft mit dem Löwen und erschlägt ihn. Er setzt sein eigenes Leben für das kleine Schaf aufs Spiel. Er gibt hundert Prozent, egal, um welche Kleinigkeit es geht.» Das entspricht ganz und gar seinem Charakter. «Ich will immer hundert Prozent geben», sagt Koch.

Heute ist Samuel trotz diesen Grenzerfahrungen im Leben zurück. Er hat sein Studium für Musik, Theater und Medien in Hannover wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit ist er sogar auf der Bühne. Über seinen Unfall sagte er: «Ich glaube nicht, dass es Zufälle gibt. Aber ich bin da noch im Gespräch mit Gott, weil ich glaube, dass das eigentlich ein Missverständnis war.»

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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