Von Matthias Hauser
Franziska Buob ist als alleinerziehende Mutter von vier Kindern gefordert. Erst recht, als rauskommt, dass ihr Zweitältester ein grosses Drogenproblem hat – und mehrere Zehntausend Franken Schulden. Wie schafft es ihr Sohn wieder zurück in die Spur und zu einem drogenund schuldenfreien Leben?
Joel raucht und kifft bereits mit zwölf Jahren. Später kommen andere Drogen und Pillen dazu. Auch noch mit 25 Jahren hat er Schwierigkeiten, sich im Leben zurechtzufinden. Er zieht sich zurück, öffnet seine Rechnungen nicht und nimmt keine Anrufe an. Manchmal bleibt er morgens im Bett und tischt eine Ausrede auf, wieso er anscheinend nicht arbeiten muss. Seine Mutter, Franziska Buob, will endlich wissen, was denn eigentlich mit ihrem Zweitältesten los ist. Eines Tages bricht er zusammen und beginnt zu schluchzen. Irgendwann gesteht er völlig beschämt und von Weinkrämpfen geschüttelt, dass er seit sieben Jahren Kokain abhängig sei.
«Jesus hat einen Plan für dich»
«Erstaunlicherweise blieb ich ruhig und fragte ihn, ob er denn einen Plan habe für sein Leben. Er verneinte und ich erwiderte: Aber Jesus hat einen Plan, Joel. Bete darum, dass er dir ihn zeigt.» Franziska Buob steht auf und spricht voller Glauben ein Gebet, von dem später beide überzeugt sind, dass es einen Neubeginn möglich machte. Im Moment ist Joel erleichtert, dass er sein dunkles Geheimnis geteilt hat. Doch wie kommt er von den Drogen weg und wie kann er seine Schulden von mehreren Zehntausend Franken tilgen? Die beiden sitzen zusammen und besprechen das weitere Vorgehen.
Das Leben in tausend Teilen
«Es kam mir so vor, als läge ein riesengrosser Haufen eines wunderschönen Puzzles mit schier unzählbaren Teilchen vor uns auf dem Tisch. Und so fingen wir als Erstes an, die Puzzleteile nach Farben, Formen und Randteilen herauszusuchen und in diverse Bereiche von Joels Leben als einzelne Häufchen zu sortieren.» Ein Puzzleteil ist ein Gespräch mit Joels Arbeitgeber, um sich bei ihm für sein Fehlverhalten zu entschuldigen und um eine zweite Chance zu bitten.
Dieser hält ihm dann auch eine resolute Standpauke. Er hätte eigentlich die sofortige Kündigung verdient. Kokain auf der Baustelle ginge einfach gar nicht. «Nur weil Gott mir ganz klar gesagt hat, dass ich dich anstellen soll, kündige ich dir jetzt nicht. Bleib zwei Wochen zu Hause und bete, dass Gott dir hilft, dein Leben zu ordnen. Mach auch ein Budget, um deine Schuldensanierung anzugehen.» Und der Chef versprach, ebenfalls für ihn zu beten.
Tatsächlich öffnet der 25-Jährige dann schon einen Tag später endlich seine Rechnungen und stapelt sie, um sich einen Überblick zu verschaffen. Der Mann seiner Mutter, Peter Buob, leiht ihm zudem einen hohen Geldbetrag, um seine Schulden zu bezahlen. Von da an ist Joel drogenfrei und erlebt nie einen körperlichen Entzug. Nach einem jahrelangen harten Kampf lebt Joel heute in den USA. Zusammen mit seiner Frau hat er zwei Kinder und engagiert sich unter anderem für junge Menschen, die Suchtprobleme haben.
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