«Gewöhnlich radikal»

 
Publiziert: 11.02.2014

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Gewöhnlich radikal: So bezeichnet sich heute Benj Keller. Als Jugendlicher war das ganz anders: «Damals suchte ich die Radikalität im Aussergewöhnlichen.» Benj Keller wechselt regelmässig seinen Lebensstil: Drogen gehören zum Alltag –
und lassen ihn nicht so schnell los. Eine Lebenskrise ist die Wende in seinem Leben.

Benj Keller wächst wohlbehütet und streng gläubig auf. Auf dem Gymnasium beginnt er zu rebellieren: «Ich wollte selber den Sinn des Lebens finden.» Verschiedene Szenen wie Punk, Hippie oder Hip-Hop geben ihm ein Zuhause – aber nur kurzzeitig. Immer passend zum Lebensstil ist seine Garderobe: «Ich wollte radikal sein und vor dem Gewöhnlichen flüchten.»

«Ich gebe dir noch eine Chance.»
Drogen, Alkohol und Partys treiben Benj Keller in Geldschulden. Schliesslich steckt er als junger Mann in einer Lebenskrise: «Ich spielte mit dem Gedanken, mich umzubringen.» Um diesen in die Tat umzusetzen, steigt er in sein Auto. Bevor der heutige Familienvater aussteigt, öffnet er das Handschuhfach und findet zufälligerweise eine Bibel. «Ich war so verzweifelt, dass ich sie aufgeschlagen und darin gelesen habe.»
Der junge Mann schöpft nochmals Mut. Nach vielen Jahren wendet sich Benj Keller in seiner Not wieder Gott zu und fordert ihn heraus: «Ich gebe dir noch ein Chance.» Aber der Weg zurück ist ein harter Kampf für den jungen Mann.

Gewöhnlich radikal
«Mein heutiger Alltag ist einerseits gewöhnlich, aber andererseits gleichzeitig radikal», erzählt Benj Keller. Sein Ventil ist der Sport oder auch der Beruf als Akkordmaurer. «Es ist ein strenger Job. Aber es ist etwas Urmenschliches – und ich arbeite gerne draussen.» Auch seine Familie gibt dem zweifachen Familienvater etwas Bodenständiges. Doch den Sinn in seinem Leben hat Benj Keller im Glauben an Gott gefunden. «Diesen müssen wir auch radikal leben.» Denn Benj Keller ist überzeugt, dass wir eine Verantwortung für die Gesellschaft tragen. «Ich wünsche mir, dass die Christen wieder vermehrt zur Ruhe kommen, um Gott zu hören.» Er selber geht viel in die Natur, fastet und betet.
Vor zwei Jahren verspürten er und seine Frau Eva-Maria, dass sie eine Veränderung in ihrer Lebensform angehen sollten. Seither wohnen sie als Familie zusammen mit seiner Mutter und ihrem neuen Ehemann in einer WG. «Es ist eine alternative Lebensform: Ein Versuch, Synergien zu nutzen und voneinander zu lernen.» Eine weitere Leidenschaft von Benj Keller ist die Jugendarbeit: «Es ist nicht unbedingt wichtig, was du mit ihnen machst, sondern dass du mit ihnen Zeit verbringst.»

Wenn Benj Keller heute auf seine turbulente Jugendzeit zurückblickt, ist er trotz allem auch dankbar. «Gott kann mich genauso brauchen wie ich bin – mit oder gerade wegen meiner Radikalität.»

© Online-Redaktion ERF Medien
 
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