vier Steine aufeinander
fragiles Gleichgewicht | (c) Laurentiu Iordache/dreamstime

Wenn die mentale Gesundheit kippt

Eine persönliche Erfahrung
 
Publiziert: 17.02.2023

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Von Marnie Hux-Ebermann im Gespräch mit Vera N.*

Die mentale Gesundheit kann in unserem Leben schneller aus dem Gleichgewicht geraten, als uns lieb ist. Ein Schicksalsschlag, eine plötzliche Diagnose, eine Veränderung des Umfeldes – Gründe gibt es viele. Vera N.* hat erlebt, wie schnell und heftig das zarte Gefüge der psychischen Gesundheit kippen kann.

Wie ist Ihre mentale Gesundheit aus dem Ruder geraten?
Ich möchte vorausschicken, dass ich bis zu dieser schweren Krise eine lebensfrohe und psychisch belastbare Person war. Mein Leben war reich ausgefüllt mit Familie, Beruf und einem aktiven Sozialleben. Einige Zeit nach der Geburt meines zweiten Kindes verschlechterte sich mein körperlicher Zustand zunehmend. Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Taubheit in den Beinen, Lähmungserscheinungen, Schlafstörungen etc. traten auf. Die ärztlichen Untersuchungen führten zu keiner Diagnose. Die Spirale von immer neuen Symptomen und sich daraus ergebend Abklärungen drehte sich schneller und schneller. Krank zu sein und nicht zu wissen, was einem fehlt – eine enorm belastende Situation. Die Hilflosigkeit äusserte sich in heftigen Panikattacken und massiven Ängsten. Schlussendlich war es eine mir seit Jahren vertraute Fachärztin, die Klartext gesprochen hat: «Mit Ihnen ist etwas gar nicht mehr gut.» Sie vermutete, dass nicht die körperlichen Symptome mein «eigentliches Problem» sein könnten. Erste Gespräche mit einem Psychologen haben geholfen. Da sich die Situation über die nachfolgenden Monate dennoch weiter verschlimmert hat, wurde ein Klinikaufenthalt unumgänglich.

Mir wurde im Rahmen der Gesprächs-Therapie bewusst, dass Körper, Seele und Geist unzertrennbar miteinander verbunden sind. Und ich durch die hohe seelische Belastung körperlich krank wurde. Auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht sehen konnte (wollte), was mit die Hauptursache für diese Belastung war: Ich lebte in einer Ehe mit einem Mann, der mich über die Jahre verbal sehr respektlos behandelt hat, mich regelmässig erniedrigte.

Kann in einer solchen Krise das eigene Umfeld Halt geben?
Lange habe ich diese Situation vor mir selbst verleugnet. Es «muss» ja alles gut sein, die Fassade durfte keine Risse bekommen. Als sich das nicht länger verbergen liess und ich darüber zu sprechen begann, waren die Reaktionen gespalten. Es gab Menschen, die mich und meine Situation von Beginn ernst genommen haben und mir ihre wohlwollende Hilfe angeboten haben. Das war eine wertvolle Erfahrung, die mir viel Halt gegeben hat. Es gab auch Leute aus meinem engsten Umfeld, die mir zu verstehen gaben, dass ich die Situation mit meinem Mann annehmen muss: «Beten, vergeben, vielleicht passiert ja ein Wunder?»

Dazu habe ich die Erfahrung gemacht, dass im christlichen Umfeld teilweise die Überzeugung besteht, dass Seelsorge und Gebet ausreichen. Meiner Erfahrung nach ist das zu kurz gegriffen. Es ist kein Zeichen von zu wenig Glauben, wenn man psychologische Hilfe benötigt. Man nimmt bei körperlichem Leid vernünftigerweise auch medizinische Hilfe in Anspruch.

Was hat in Ihrem Leben dann letztlich die Wende gegeben?
Der oben genannte Klinikaufenthalt war der Wendepunkt. Meine Empfindungen nicht länger wegdrücken zu müssen, sondern sie anzuschauen – sie ernst zu nehmen. Das war der zentrale Punkt, der zum Gesundwerden beigetragen hat. Es war ein arbeitsintensiver und schmerzhafter Weg, der mich auf mehreren Ebenen einen «hohen Preis» gekostet hat. Der zu gehen sich gelohnt hat – ich wurde körperlich und seelisch wieder gesund.

Gibt es etwas Gutes, das diese Krise hervorgerufen hat? Was nehmen Sie als positive Erfahrung mit?
Einerseits das Wissen, dass eine schwere psychische Krise jede und jeden treffen kann. Auch zufriedene, gesunde Menschen. Es können Situationen entstehen, die die eigene Psyche ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr regulieren kann – die langfristige Überlastung macht krank. Man ist diesen Umständen nicht einfach ausgeliefert – es gibt Hilfe. Diese anzunehmen, ist meist kein leichter Schritt.

Auf der anderen Seite ist mir durch viele Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen, gerade auch in der Klinik, bewusst geworden, dass wir alle eine Geschichte haben, persönliche Prägungen. Wie wir uns verhalten und ausdrücken – das «kommt irgendwo her». Respektvolles aufeinander Zugehen, echte Empathie und tiefe Menschlichkeit – diese Werte sind für mich elementar geworden.

Zum Schluss – die Zeit in der Klinik war nebst allem Belastenden auch eine, die sehr lustige Momente beinhaltet hat. Sicher auch darum, weil man dort niemandem vormachen kann, alles im Griff zu haben – sonst wäre man ja nicht an diesem Ort …

* Name von der Redaktion geändert

© Online-Redaktion ERF Medien
 
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