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Lebensgeschichten

«Sie versprach mir, sich nichts anzutun»

Sabrina Müller | (c) zVg
Sabrina Müller | (c) zVg
16.12.2019
Der Suizid ihrer Freundin trifft Sabrina Müller wie ein Hammerschlag.
 
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Als sich Sabrina auf dem Weg in die USA am Flughafen von ihrer engsten Freundin verabschiedet, ahnt sie nicht, dass dies das letzte Treffen war. Sie braucht fast 10 Jahre, bis sie den Suizid ihrer Freundin verarbeiten kann. Heute ist sie Theologin und hat ein Buch zum Thema geschrieben, das andere Menschen im Trauerprozess unterstützen soll.

Sabrina und Angelika studieren zusammen Theologie und werden einander die beste Freundin und engste Bezugsperson. Angelika ist gegen aussen fröhlich, aber innen traurig. Sie ist mit sich und dem Leben überfordert, will nicht mehr leben. Eine der wenigen, die von Angelikas Suizidgedanken weiss, ist Sabrina.

Unzertrennlich?!
Doch dann geht Sabrina 2006 mit ihrem Mann auf Hochzeitsreise. Dort verpasst sie während einer Wanderung am Bryce Canyon einen Anruf von Angelikas Vater. Nach etlichen verzweifelten Versuchen, ihn zu erreichen, knackt es plötzlich in der Leitung. «Mein Herz begann zu rasen und meine Hände waren schweissnass. Er teilte mir mit, dass Angelika tot sei.» Sabrina ist fassungslos. Denn Angelika versprach ihr vor der Abreise, sich nicht das Leben zu nehmen.

In den kommenden Wochen in den USA fühlt Sabrina nur noch totale Leere. «Ich quälte mich am Morgen aus dem Bett, nur um mich durch den Tag zu schleppen und am Abend wieder wach im Bett zu liegen und an die Decke zu starren.»

Die Bruchlandung
«Was für die anderen Passagiere ein ruhiger Flug war, endete für mich als Bruchlandung.» Zurück in der Schweiz hat Sabrina keine Lebenskraft mehr. Sie bricht ihr Theologiestudium ab und meidet alle Orte und Gegenstände, die sie an ihre engste Freundin erinnern. Trotzdem wird sie immer wieder von der überwältigenden Trauer eingeholt, bis sie selbst nicht mehr Leben mag. Ein Jahr nach dem Suizid kämpft sich Sabrina langsam zurück ins Leben. Sie entscheidet sich, ihr Theologiestudium abzuschliessen – und findet wieder in ihren Alltag zurück. Zehn Jahre nach dem Suizid schliesst Sabrina den Trauerprozess an dem Ort ab, wo er einst begonnen hat – am Bryce Canyon.

Loslassen
Im August 2016 startet Sabrina einen Blog, auf dem sie ihre persönliche Geschichte und Gedanken zum Tabuthema Suizid teilt. Sie will damit ihr eigenes Schweigen brechen und andere Hinterbliebene ermutigen, über ihre Gefühle und Erfahrungen zu sprechen. 2018 erscheint dann ihr Buch «Totsächlich», das Trauernden und Menschen in begleitender Funktion eine wichtige Hilfestellung ist.

Sabrina Müller ist heute die Theologische Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung und Lehrbeauftragte für Praktische Theologie an der Universität Zürich, wo sie einst studierte. Die Universität, die sie nicht mehr betreten wollte, ist nun Sabrinas Arbeitsplatz. Und die Gegenstände, die sie zuvor so gemieden hatte, stehen in ihrem Wohnzimmer. Sie sieht den Verlust von Angelika nicht mehr als eine offene und unheilbare Wunde. Aber: «Eine Leerstelle wird bleiben, und vielleicht ist das gut so.»

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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